New Yorker Polizei schießt PR-Eigentor

Wie Social-Media-Kampagnen nach hinten losgehen können, hat nun die New Yorker Polizei unter Beweis gestellt. Ihre Idee erschien anfangs weder besonders einfalls- noch risikoreich: „Do you have a photo w/ a member of the NYPD? Tweet us & tag it #myNYPD. It may be featured on our Facebook.“ Twittere ein Foto mit einem Polizisten!

Doch anscheinend hatte das berühmte NYPD sein eigenes Image in sozialen Netzwerken falsch eingeschätzt: Innerhalb kürzester Zeit wurde aus dem Hashtag ein sogenannter „Bashtag“. Statt nette Bilder mit den Freunden und Helfern zu teilen, postete eine Flut von Nutzern Fotos, auf denen Polizisten brutal gegen Bürger vorgingen. In den Kommentaren ging es um Gewalt, Rassismus und Sexismus. Auf den offiziellen Twitter-Account schafften es allerdings nur die wenigen Bilder von nett-lächelnden, uniformierten Streifenpolizisten.

Der Internetprotest wurde noch größer, als die Twitterer von Occupy Wall Street, mit immerhin 160.000 Followern, an der Kampagne teilnahmen und Bilder von Polizeigewalt bei Demonstrationen posteten. So etwa Einsätze mit Schlagstöcken, Pfefferspray und übermäßig verdrehten Armen. Auch Molly Crabapple, die für die „New York Times“, den „Guardian“ und das „Vice-Magazin“ arbeitet, postete ein Foto, auf dem sie bei einer Protestaktion verhaftet wurde. Der Hashtag #MyNYPD wurde innerhalb eines Tages über 78.000 Mal verwendet und stieg zu den meist-diskutierten Themen in den USA auf.

Das Tweets sich nicht einfach zurücknehmen lassen, musste vor kurzer Zeit bereits die Fluglinie American Airways feststellen. McDonald`s hatte ein ähnliches Social-Media-Desaster zu verarbeiten: Aufgrund eines Twitter-Appels an die Kunden, Geschichten und Erlebnisse ihrer Besuche zu posten, verbreiteten sich in Windeseile unzählige Geschichten über Lebensmittelvergiftungen sowie Insekten im Essen.

Die New Yorker Polizei will sich weiter in der Welt der sozialen Medien behaupten. „Wir setzen auf die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Twitter„, so NYPD-Sprecher Stephen Davis, „dazu gehören neben den guten Erlebnissen auch die schlechten.“